Das Phänomen Demna Gvasalia

Ein Gespenst geht um in der Modewelt- es ist das Gespenst des Phänomens namens Demna Vasaglia. Die Entwürfe des kreativen Kopfs von Vetements und als Chefdesigner von Balenciaga haben sich mit ihren übertriebenen Silhouetten und provokativen Formen in die Köpfe anderer Designer geschlichen, wie wir bei den Schauen der letzten Wochen sehen konnten. Ich selbst habe mich lange gewehrt gegen die Ideen, die Demna Gvasalia in seinen Designs propagiert. Wie ein mürrischer Opa saß ich in meinem imaginären Schaukelstuhl in meinem imaginären Vorgarten und habe auf das Nachbarskind Vetements, das von Saison zu Saison immer wieder mein gehegtes Blumenbeet zertreten hatte, Schimpftiraden herabregnen lassen. Und heute will ich nichts Anderes als einen übergroßen 80er Blazer und hohe, spitze Stiefel, die mir bis zum Poppes reichen. Demna Vasaglia und sein Kreativteam haben tatsächlich die jahrelang gepflegten und hochgezüchteten Geranien unseres gutgedüngten Modebewusstseins kaputt zertrampelt; innerhalb weniger Saisons hat sich die Silhouette und unser ästhetisches Verständnis extrem gewandelt. Der Einfluss von Vetements und der neuen Kollektionen von Balenciaga manifestieren sich in mehreren Trends für dieses Jahr. Ironisch könnte man meinen, weil doch eigentlich die Marke Vetements aus einer Anti-Trend-Bewegung geboren wurde. Vergleicht man die Kollektionen dieses Jahres mit denen von vor fünf Jahren, fällt am ehesten die 180 Grad Wandlung der Schnitte und Silhouetten ins Auge. Oversized wäre hierfür der falsche Begriff, denn es ist viel mehr als das: Die Karikatur des Power-Frauen-Looks der 80er trifft es wohl eher.

Ironie und Satire ist ein wesentliches Merkmal der Entwürfe von Demna Vasaglia. Dass dem auch der Trend der Logoshirts und Merchandisingprodukte (Justin Bibz, Kylie J.) zum Opfer fällt, ist nicht verwunderlich.

Alles Extrem. Das gilt auch für die Accessoires, die die Models auf den Laufstegen bei Balenciaga oder Vetements trugen. Andere Modesigner springen auf diesen Zug mit auf und überspitze Overknees oder XXXL-Taschen werden zum Normalfall dieses Jahr.

“What we do here is always a reappropriation of something which already exists.”

So beschreibt Vasaglia seine Arbeit bei Vetements. Ist die Wiedergabe von bereits vorhandenen Dingen, die man auf der Straße oder im Internet gesehen hat, überhaupt ein kreativer Prozess? Oder behandelt Demna Vasaglia die Welt wie wir unser Pinterestboard, wenn wir z.B. Inspiration für unser abendliches Styling benötigen? Der Erfolg von Vetements und des bekanntesten Designers des Labels (Hinweis: es ist ein Kreativteam) lässt sich vielleicht nicht anhand der (wenig) revolutionären Modeentwürfen erklären. Demna Vasaglia stellt uns viel mehr die unangenehme Frage: Was ist Mode überhaupt und welchen Zweck erfüllt sie?

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